FAZ 06.10.2026
13:16 Uhr

Mainzer Oktoberfest: Oans, zwoa, g’stricha!


Die Absage des 20. Mainzer Oktoberfestes kommt zwar kurzfristig, ist aber konsequent. Und auch in diesem Fall liegen die Versäumnisse eher in der Vergangenheit.

Mainzer Oktoberfest: Oans, zwoa, g’stricha!

Aktuell kann man der Verwaltung, also vor allem dem neuen Baudezernenten Ludwig Holle (CDU), nur vorwerfen, dass sehr spät reagiert worden ist. Weil man im Rathaus der fürs Feiern bekannten deutschen Weinhauptstadt Mainz offenbar gerne auch an einem großen Oktoberfest mit mehr als 50.000 Besuchern festhalten wollte. Tatsächlich hätte man der Mainzer Messe Gesellschaft (MMG) aber spätestens im September klarmachen müssen, dass es so, wie es jahrelang lief – mit der Festzelt-Genehmigung auf den oftmals letzten Drücker –, aus Gründen der Sicherheit nicht weitergehen könne. Die beliebte Bier- und Hendl-Party erst drei Tage vor der geplanten Eröffnung zu verbieten, zeugt zwar einerseits von Langmut, war im Ergebnis dann aber keine gute Lösung. Zweifellos hat die Messe Gesellschaft auf dem seit zwei Jahrzehnten von ihr für Ausstellungen, Konzerte und Sportevents genutzten Areal mitten in den Feldern einige für die Stadt wichtige Aufgaben übernommen. Doch spätestens im Frühjahr, als die Organisatoren der früher einmal publikumsstarken Rheinland-Pfalz-Ausstellung erkennbar frustriert ihren Abschied von Mainz und den Wechsel nach Trier ankündigten, hätte man im Rathaus hellhörig werden müssen. Das ganze Gelände wirkt veraltet und unattraktiv. Und die MMG-Führung um Frontmann Karl Strack hat es zudem versäumt, für die dringend notwendige Verjüngung an der Spitze der Gesellschaft zu sorgen. Kein Erfolg mit „kölschem Konzept“ Dass sich Profi Strack, der wohl auf das kölsche Konzept „Et hätt’ noch immer jot jejange“ vertraute, diesmal verrechnet hat, liegt nicht zuletzt daran, dass viele alte Weggefährten aus der Stadtgesellschaft längst im Ruhestand sind. Die neue Riege der Amtsleiter und Dezernenten will und kann ihm keine Sonderrechte mehr einräumen, nur weil der umtriebige Bauunternehmer in der Vergangenheit etwa mit seinem Eventschiff Cassian Carl oder im Proviant-Magazin bisweilen Großes geleistet hat. Die am Ende unvermeidliche Nichtgenehmigung des Mainzer Oktoberfestes, eines der letzten überhaupt noch gut besuchten Veranstaltungen auf dem Messegelände, markiert einen Wendepunkt. Ob die für das Volksfest verantwortlichen Organisatoren die Absage finanziell überstehen, bleibt ohnehin abzuwarten. Schon vor Jahren gab es Pläne für feste Hallen auf dem windigen Grundstück, die allerdings nie verwirklicht wurden. Für dieses Jahr ist es nun ohnehin zu spät. Und ob die Mainzer Messe in dieser Form überhaupt eine Zukunft hat, muss sich erst noch zeigen.